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Die innige Verbindung, die Liebig mit der Musik und dem Instrument eingeht, vermag zu fesseln - auch sein Spiel läßt sich uneingeschränkt "beseelt" nennen ...
Prof. Dr. Matthias Schneider,
Musik und Kirche 3-2006
"Brillanz, Poesie Grandeur in vollkommener Harmonie - unter diese Trias stellt Andreas Liebig die Arp Schnitger-Orgel der Martinikerk Groningen, an der er eine Auswahl bachscher Werke präsentiert. Sie schlagt einen Bogen van der frühen (in ihrer Verfasserschaft angezweifelten) Sarabanda con partitis über verschiedene Stationen des Organisten Bach bis zum Exempel reifen Kompositionsstils - Präludium und Fuge Es- Dur aus dem Dritten Theil der Clavier-Übung. Die Einspielung zeugt von Begeisterung, und sie vermag diese Begeisterung weiterzugeben. Liebig hat jedem der ausgewählten Stücke ein Motto vorangestellt, das auf die Rezeptionsgeschichte verweist: Mit "Ante portas: - ,da mio j. S. Bach?'" leitet er die Sarabande con partitis BWV 990 ein, ein Tastenstück, das vielleicht gar nicht von Bach stammt, dessen Variationen aber umso lohnender die Farben der Martini-Orgel zu präsentieren vermögen. Hier wird bereits deutlich, wo Liebigs Stärken liegen - im Motto zur folgenden Bearbeitung "O Mensch, bewein dein Sünde groß" wird dies dann explizit: "... , jede Note ist hier beseelt'". Die innige Verbindung, die Liebig mit der Musik und dem Instrument eingeht, vermag zu fesseln - auch sein Spiel läßt sich uneingeschränkt "beseelt" nennen.
Zur Passacaglia - "... um daselbst ein und anderes in seiner Kunst zu begreiffen" - ergeht sich Liebig (im Booklet) in weitläufigen zahlensymbolischen Spekulationen. Man mag diesen Überlegungen, die u. a. van Piet Kees 1982 und 1983 in MuK angestellten Überlegungen angeregt sind, folgen oder nicht: Seine Interpretation überzeugt durch ihre Frische und Klarheit, weiss Kammermusikalisches und Monumentales nebeneinander zu stellen und dabei die Orgel ins beste Licht zu rücken.
"Man kann van ihrer Schönheit nicht genug sagen" - Forkels Ausruf angesichts der Triosonaten scheint Liebig zu teilen: Die Triosonate Nr. VI G-Dur beflügelt ihn zu Momenten von intimer Schönheit wie von strahlender Vitalität. Die Aufnahme schließt mit Präludium und Fuge Es-Dur, als Summe bachscher Kompositions- und liebigscher Interpretationskunst. Liebig hat es bei diesem "leuchtendsten Juwel" (Hermann Keller) sowohl auf die "Kunstfertigkeit" als auch auf den "musikantischen Überschwang" abgesehen - ein Staunen vor Bachs Meisterschaft wie vor der schier unerschöpflichen Klangpracht der Groninger Arp Schnitger-Orgel.
Das liebevoll gestaltete Booklet enthält neben Liebigs (dreisprachig abgedruckten) Einführungstexten Fotos, Faksimiles sowie Angaben zum Instrument und sämtlichen verwendeten Registrierungen. Die Aufnahme präsentiert die Orgel und die Raumakustik der Martinikerk bestens, auch wenn gelegentlich kleine Echos die Klarheit beeinträchtigen. Eine engagierte, beseelte Begegnung von Instrument, Musik und Interpreten, dazu angetan, Begeisterung für die Kostbarkeiten von Bachs Orgelmusik zu wecken.
Eine engagierte, beseelte Begegnung von Instrument, Musik und Interpreten, dazu angetan, Begeisterung für die Kostbarkeiten von Bachs Orgelmusik zu wecken ...
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